Alvarez, José Don, erster königl. spanischer Hofbildhauer, geb. zu Priego 1706, gest. zu Madrid 1827. Dieser ausgezeichnete Künst-
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Er war der Sohn eines armen Steinhauers und bestimmt, gleiches Handwerk zu erlernen; doch sein Genius rief ihn zu edleren Ar- beiten, und führte ihn in seinem zwanzigsten Jahre nach Granada . Hier verwendete er alle Zeit, die er seinem, zum Lebensunterhalte nöthigen, Handwerk abgewinnen konnte, auf das Zeichnen in der Akademie, und erlangte bald Fertigkeit im Modelliren, und die Geschicklichkeit, verschiedene Gesichter aus dem Steine zu bringen.
Nach seiner Rückkehr in die Heimath verfertigte er aus Auftrag des Magistrates einen Löwen für den Stadtbrunnen, dargestellt, wie er eine Schlange zerreisst. Dieses Werk, obgleich unvollkom- men, verschaffte ihm die Unterstützung des Bischofs von Cordova, des Don Antonio von Gongora, der ihn in seinen Palast nahm und der Akademie einverleibte, die er selbst gestiftet hatte. Hier blieb er bis in sein 26. Jahr, zu welcher Zeit er die Akademie San Fernando zu Madrid besuchte. Sein Fleiss führte den Andalusier (so nannte man ihn) rasch durch alle Classen der Akademie, und seine Fortschritte erwarben ihm die Achtung seiner Lehrer. Es wurde ihm auch der erste Preis zu Theil durch ein Basrelief, wel- ches Ferdinand I. und seine Söhne vorstellt, wie sie unbeschuht, und von der Geistlichkeit und dem Volke begleitet, den wunder- barer Weise entdeckten Leichnam des hl. Isidor auf den Schultern in die Kirche zu St. Juan de Leon tragen. Jetzt erhielt er vom Könige den Befehl (1799), mit einer Pension von 12.000 Realen (1.200 fl. Münze) nach Paris und Rom zu reisen, um seine Kennt- nisse in der Bildhauerkunst zu erweitern und zu vervollkommnen. In Paris trat er als Mitbewerber bei dem Concours zu den Haupt- preisen des Instituts auf, und würde auch den ersten davongetra- gen haben, wenn er nicht ausschliessend für Franzosen bestimmt gewesen wäre; den zweiten aber erhielt er ungeachtet einer Menge
jegner,
Diese Vorboten seines künftigen Ruhmes spornten ihn zu rastlo- sem Eifer: er studirte Anatomie und die Basreliefs des Parthenon, welche Choiseul Gouffier aus Constantinopel nach Frankreich ge- bracht hatte, las die besten Classiker in Uebersetzungen, und fasste gleich Phidias aus den Versen Homers die erhabensten Ideen zu seinen Werken auf. Sein Ruf verbreitete sich schon in Paris, und besonders erhielt seine Statue des Ganymed, die er 1804 für den Marques de Almenara vollendete, allgemeinen Beifall, und der berühmte David sagte, sie würde, aus der Erde gegraben, nicht von den Antiken zu unterscheiden sein. Selbst Napoleon besuchte seine Werkstätte zweimal, und belohnte das Talent des Künstlers mit einer goldenen Medaille von 500 Fr. Die erwähnte Statue be- findet sich in Marmor ausgeführt in der königl. Akademie zu Madrid.
Um sich auch im strengen und kühnen Style zu üben, verfiel er zuerst auf die Darstellung des Caupolikan, fasste aber bald aus der Lectüre Homers die Idee zum Achilles, der eben den tödtli- chen Pfeil empfängt. Leider zerfiel das Modell von ungewöhnli- cher Grösse, welches von allen bewundert wurde, und dem Künst- ler blieb nur die höchste Meinung von Seite des kunstliebenden Publikums. Bald darauf reiste er nach Rom, ohne das Modell wieder herstellen zu können. Eine neue Zulage von 16.000 Rea- len setzte ihn in den Stand, dem Studium mit allem Fleisse obzu- liegen, wozu ihm die antiken Werke die schönste Gelegenheit
boten.
Alvarez, José Don.
hatte. Das eine stellt den Leonidas in den Engpässen bei Thermopylen vor, das andere die Heerschau des Julius Cäsar, das dritte, wie Cicero im Traume den Jupiter sah, welcher den Octavius vor der ganzen römischen Jugend auszeichnete, und das letzte den Traum des Achilles oder die Erscheinung des Patroclus. Diese ungenießbar schönen ausgearbeiteten Basreliefs kamen jedoch wegen der politischen Zeitumstände nicht an ihre bestimmte Stelle, blieben in ihren Gipsplatten und konnten auch nicht in die Mauer eingelassen werden, weil sie zu schwach waren. Von dieser Zeit an folgten mehrere Werke, die gleichen Beifall erhielten; denn Alvarez rang mit Eifer nach Vollendung, und zerstörte selbst lobenswerthe Arbeiten, wenn sie ihm nicht genügten. Die meisten entstanden in Rom, und darunter das vorzüglichste: die Gruppe des Antilochus und Memon, zwei homerische Figuren, die in den Notizie del giorno 1. Octob. 1818 besonders gerühmt werden. In diesem Jahre ernannte ihn der König zum Hofbildhauer, ertheilte ihm sieben Jahre darauf die Stelle des ersten Bildhauers, zierte ihn mit dem bürgerlichen Ehrenkreuze, und trug ihm auf, die erwähnte Gruppe in Marmor auszuführen. Sie befindet sich jetzt in Madrid. Alvarez hielt sich nie lange in Madrid auf, Italien war die Wiege seiner Kunst; dort starb er im Vaterlande, vom Hofe und von allen Künstlern und seinen Freunden geliebt und geachtet. Es ist unrichtig, dass er im Elende starb, wie die Gazette de France vom 11. Dec. 1827 bekannt gemacht hat. Der Künstler genoss eine reiche Pension, von welcher ein Theil nach seinem Tode auf seine hinterlassenen drei Söhne überging. In der erwähnten Zeitung wird auch irrig angegeben, dass Alvarez von Seite seiner Nebenbuhler einen Prozess wegen der schönen Gruppe des Antilochus hatte.
Er war Mitglied der Akademie von St. Luca zu Rom und mehrerer anderer. Auch wurde ihm die Ehre zu Theil, in den königl. Landhäusern und Palästen die würdigsten Statuen und andere Bildwerke für das prachtvolle Museum des Prado auszuwählen.
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