Altdorfer, Albrecht, Maler, Kupferstecher und Formschneider , geb. zu Altdorf in Bayern 1488, gest. zu Regensburg 1528. Über das Leben dieses Künstlers, der zu den berühmtesten seiner Zeit gehört, ist sehr wenig bekannt, und dasjenige, was Füssly angibt, eruert zum Teil auf ganz unwäglichen Mutmassungen; z. B. seine schweizerische Herkunft, indem die höchste Wahrscheinlichkeit dafür spricht, dass er ein Bayer, und wo nicht der Sohn des Regensburger Künstlers Ulrich Altdorfer, der im J. 1401 seine Bür- gerrechte aufgab, doch zum wenigsten von jener Familie abge- stammt habe, die zu Landshut und in der Umgegend lebte. S. Oefele script. rer. boic. II. 771.
Man zählt Altdorfer zu Dürer’s Schülern, doch ist er mehr für einen gleichzeitigen schon gebildeten Künstler zu halten, der, wie seine Arbeiten verrathen, die Werke Dürer’s wohl studirte, aber nicht nachahmte, sondern sich eigens bildete. In der Malerei erreichte er sein Vorbild, in der Kupferstecherkunst aber, womit er sich vorzüglich beschäftigte, blieb er hinter Dürer zurück. In seinen Gemälden ist noch der strenge, steife Styl der altdeutschen Schule herrschend, während man in den Werken anderer Zeitge- nossen schon den italienischen Einfluss fühlt. In der letzten Zeit seines Lebens dürfte jedoch auch auf ihn die italienische Weise etwas gewirkt haben; denn dieses zeigt sich deutlich in einem Bilde auf der Burg zu Nürnberg , worauf wir die drei Jünglinge im Feuerofen sehen. Die Zeichnung ist hier grandioser, der Schat- ten weit kräftiger, alles mehr gerundet als in vielen andern Bildern dieses Meisters. Allein es fehlt die Klarheit des Colorits und die Geduld und der Fleiss in der Ausführung, die in seinen übrigen Gemälden charakteristisch hervortreten.
Altdorfer lebte zu Regensburg geachtet und angesehen von seinen Mitbürgern, die ihn 1521 zum Mitgliede des inneren Rathes erwählten und sogar zum Bürgermeister machen wollten, eine Ehre, die er jedoch nicht genießen konnte, weil ihn überhäufte Bestellungen hinderten, mit Eifer zum gemeinen Besten zu wirken. Die Ämtle eines obersten Baumeisters aber bekleidete er. Mehreres über Altdorfer’s Lebensverhältnisse s. Eos 1820. Kunst- und Lite- raturblatt S. 77.
Regensburg hatte in älteren Zeiten viel von Altdorfer’s Kunst- werken aufzuweisen. Eine beinahe vollständige Sammlung seiner Holzschnitte und Kupferstiche war als ein Geschenk des Stadtge- richts-Assessors Peuchel in der Stadtbibliothek aufbewahrt worden, sie kam aber mit einigen Handzeichnungen des Künstlers nach München. Ein Ölgemälde: die Bathseba im Bade vorstellend, und vier Portraite von Mitgliedern des pfälzischen Hauses sind in der dortigen Rathsbibliothek noch vorhanden, und ein kleineres niedli-
Altdorfer, Albrecht.
Eines Gemäldes von seiner Hand, das den Magistrat porträtiert und ihn in der Sitzung darstellt, wie Dr. Hiltner demselben eine Sammlung der städtischen Urkunden überreicht, befand sich 1820 im Munici- palrathe. Nach der Angabe des Rathsbuches vom Jahre 1533 sollte auch ein Visir der Stadt Regensburg vorhanden sein, das aber gegenwärtig verschollen ist.
In der Verlassenschaft des letzten Fürsten zu St. Emeran be- fanden sich 6 Stücke, um die sich die Munizipalität von Regens- burg im Namen der katholischen oberen Pfarre und die Erben des Fürsten stritten. Das vorzüglichste darunter ist der Abschied Chris- ti von der Mutter, 1538 gemalt, also wahrscheinlich Altdorfers letzte Arbeit. Das Bild wurde um 1030 fl. erstanden. Ein wahres Wunderwerk der Kunst ist die Schlacht des Alexander und Darius in der königl. Gallerie zu Schleissheim. Dieses Bild entführten die Franzosen mit einigen andern nach Paris, wo es dem Napoleon so sehr gefiel, dass er demselben in seinem Badezimmer zu St. Cloud einen ausgezeichneten Platz anwies. Seit 1815 ist dieses 5 F. 11 Z. hohe und 5 F. 8 Z. breite Gemälde wieder in Bayern. S. die Beschreibung bei Fiorillo.
In der königl. Gallerie zu München zeigt man von Altdorfers Hand die ganze Geschichte der Susanna, ebenso wie das obige, auf Holz gemalt. 2 Sch. 3½ Z. hoch, 1 Sch. 11 Zoll breit. Auch diese Bilder sind mit ungemeinem Fleisse ausgeführt.
In der königl. Gallerie auf der Burg zu Nürnberg ist eine Kreu- zigung Christi, ein kleines Bildchen. Die St. Morizkapelle eben- da bewahrt das Bild des heil. Hieronymus aus der Gallerie Waller- stein. Diese Gallerie, welche jetzt einen Teil der königlichen aus- macht, besaß sechs Bilder, und darunter diejenigen, welche Sand- rart als die vorzüglichsten des Meisters bezeichnet.
Ein herrliches Gemälde unsers Künstlers hängt auch in der k. k. Gallerie zu Wien. Es stellt die Geburt des Heilandes mit vielen Figuren dar und ist ein magisch beleuchtetes Nachtstück. Daselbst sieht man noch eine Landschaft mit einem großen Baum, an dessen Stamme der Künstlers Name und die Jahrzahl 1532 steht. In der Hauskapelle des Prälaten zu Kloster Mölk ist ein lebengroßes Salvator und ihm zur Seite Maria und Johannes. Um auch die Bilder der Rückseite bewundern zu können, wurden die Gemälde durchgesägt und besonders eingerahmt. Sie stellen den heil. Pe- trus, die heil. Catharina und noch einen Heiligen dar. Diese Bilder galten immer für A. Dürer’s Werk.
Altdorfer hat auch ungefähr 112 Kupferstiche und an 80 Holz- schnitte geliefert, welche sehr geschätzt sind, obgleich sie in der Ausführung unbeholfen und die Zeichnung steif und trocken ist. Diese Blätter sind klein, und daher wird der Künstler unter die genannten kleinen Meister gezählt. Datiert sind die wenigsten; das früheste mit 1500, die andern mit 15060 — 19-. Sie bestehen in heiligen Geschichten, Legenden, Darstellungen aus der Mytho- logie und römischen Geschichte. Auch stach er ein Paar Porträts, Landschaften und Goldschmiedearbeiten, meist Becher. Unter die- sen Stichen befindet sich auch der von fast allen deutschen kleinen Meistern bearbeitete unsaubere Spass aus Alberts von Eyb poeti- scher Perle, wo das durch Virgil’s Zauberei in ganz Rom erloschene Feuer an einer Weibsperson angezündet wird. Das Licht brennt ihr am Unterleibe und ein Mann steht mit einer Laterne vor ihr, worin das Licht ausgegangen ist.
Mehrere Blätter dieses Künstlers sind nach Dürer’schen ‚Originalien‘ verfertigt. Unter diesen hält der Winkler’sche Catalog die
Altdorfer, Albrecht. 81
auf Zinn ästofchena Madonna, die mit dem auf ihrem Schoße stehenden Kinde in einer Landschaft sich befindet, für das Haupt- blatt. H. 6 Z. 1 L., Br. 4 Z. 3 L. Sehr schön und selten ist nach jener Angabe die nackte Frau, welche zweien Einsiedlern in der Wüste Früchte bringt, von denen der eine vor dieser Erscheinung die Augen verhält. In diesem Blatte ist Licht und Schatten vor- trefflich verteilt und der Hintergrund nähert sich der Schwarzkunst, Unter den gestochenen Blättern rühmt Sandrart besonders eine Abigail.
Zu Altdorfer’s vorzüglichen Blättern gehören ferner: Die Judenschule zu Regensburg 1510, 2 Bl. Das erste ist 6 Z. 4 L. hoch, 4 Z. 8 L. breit; das zweite hat 6 Z. in der Höhe und 4 Z. 4 L. in der Breite. Man liest hier die Worte: Anno Dni. MDXIX. Judæic Ratisbona Synagoga justa dei ju- dicio fundit est (wohl funditus eversa).
Die Ruhe in Aegypten. H. 3 Z. 6 L., Br. 1 Z. 9 L.
Eine Maria, 1507. H. 2 Z. 7 L., Br. 1 Z. 11 L.
Der grosse Fahnenträger, 1500. H. 2 Z. 7 L., Br. 1 Z. 7 L.
Salomos Abgötterei. H. 2 Z. 3 L., Br. 1 Z. 6 L.
Die Vertreibung der Verküufer aus dem Tempel. H. 2 Z. 3 L., Br. 1 Z. 6 L.
Das Glück, 1511. H. 3 Z. 1 L., Br. 1 Z. 8 L.
Eine Maria. H. 2 Z. 2 L., Br. 1 Z. 4 L.
Das Urtheil des Paris. H. 2 Z. 3 L., Br. 1 Z. 6 L.
Das Bildniss Luthers. H. 2 Z. 3 L., Br. 1 Z. 6 L.
Mucius Scävola. H. 2 Z. 5 L., Br. 1 Z. 4 L.
Christus am Kreuze. H. 2 Z. 4 L., Br. 3 Z. 8 L.
St. Sebastian. H. 2 Z. 3 L., Br. 1 Z. 9 L.
St. Georg. H. 3 Z. 3 L., Br. 1 Z. 6 L.
Adam und Eva im Paradiese. H. 1 Z. 9 L., Br. 1 Z. 5 L.
Dalila und Samson. H. 1 Z. 7 L., Br. 1 Z. 4 L.
Judith mit dem Haupte des Holofernes. H. 2 Z. 8 L., Br. 1 Z. 6 L.
Die Mutter Gottes in einer Landschaft mit dem Kinde, dem ein Knabe in einem Gefässe zu trinken gibt, 1507. H. 2 Z. 7 L., Br. 1 Z. 10 L. Selten.
Die Ruhe in Aegypten, wo Maria, mit dem Hute auf dem Ko- pfe, sitzend das Kind auf den Knien hält. 12.
St. Georg zu Pferde tödtet den Drachen. H. 2 Z. 4 L., Br. 1 Z. 7 L.
Lucretia ersticht sich mit dem Schwerte. H. 2 Z. 4 L., Br. 1 Z. 6 L. Geätzt, ohne Zeichen.
Venus geht mit Cupido in das Bad, und auf einem andern Blatte aus demselben. H. 2 Z. 3 L., Br. 1 Z. 6 L.
Apollo und Venus. H. 2 Z. 6 L., Br. 1 Z. 8 L.
Pyramus und Thisbe. H. 2 Z. 3 L., Br. 1 Z. 6 L.
Samson mit dem Thore von Gaza. H. 1 Z. 8 L., Br. 1 Z. 4 L.
Triumph der Amphidrite. H. 1 Z. 9 L., Br. 3 Z.
Ein geflügeltes Weib, das ein Kind auf Stelzen gehen lehrt. Sehr selten.
Zwei Landschaften. 8
Holzschnitte:
Die schöne Maria zu Regensburg, mit der Inschrift: Ganmtz schön bistu mein Freundtin vnd ein macker ist nit in dir. H. 4 Z. 6 L., Br. 9 Z. Helldunkel.
Die grosse Wallfahrt zu der Maria in Regensburg. H. 20 Z.
Nagler’s Künstler-Lex. I, Bd. 6
6 L., Br. 14 Z. 6 L. Bartsch erkennt dieses Blatt nicht als Altdorfer’s Werk.
St. Hieronymus in einer Grotte, ein besonders wegen der Abstu- fung des Schattens schönes Blatt. N. 6 Z. 2 L., Br. 5 Z. Die alten schönen Abdr. sind selten.
Der Fall der ersten Menschen, ein treffliches Werk, welches man dem Dürer zugeeignet hat. Es hat 40 Blätter und fol- genden Titel:
Alberti Dureri Norimbergensis germ. icones sacrae etc. 1604
Ein großer Taufstein in einer Kirche, dabei die Muttergottes mit dem Kinde, ein Pilgrim und ein Engel. Kkl. fol.
St. Christoph mit dem Kinde, 1513. H.6Z.3L., Br.4Z.6L.
Das Urtheil des Paris, 1511. H.7 Z.4 L., Br. 6 Z. i
Die hl. Jungfrau mit dem Kinde in einer Kirche. H. 42.6L., Br. 5 Z. 5 L.
Die Verkündigung des hl. Johannes, 1512. H.7 Z. 7L., Br. 5 Z. 10 L.
St. Christoph sitzend. H. 4 Z. 6 L., Br. 3 Z. 6 L.
St. Hieronymus mit dem Crucifix zur Rechten, und derselbe auf der linken Seite mit dem Kreuze zur Linken. H.2 Z.5L., Br. 12.8 L.
Das Opfer Abraham’s, Josua und Caleb mit den Früchten, die Verkündigung, 1513. Alle drei in 12.
Der Kindermord, 1511; die Auferstehung, 1512; St. Georg den Drachen tödtend, 1511; Paris auf dem Ida sterbend wird von drei Göttinnen besucht, 1511; alle in 4. u. 8 w.
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