Albani, Francesco

Albani, Francesco, Maler, geb. zu Bologna 1578, gest. 1660. Er legte sich schon im 12. Jahre mit allem Eifer auf die Kunst und kam mit Hülfe seines Jugendgefährten Guido Reni, der bei Calvart schon bedeutende Fortschritte gemacht hatte, zu demselben Mei- ster. Albani theilte mit Guido das unter gleichen Studien entwi- ckelte Talent und die unerschöpfliche Quelle eines zartfühlenden Gemüths. Aber Guido gönnte sich einen freieren Schwung und suchte in den Meisterwerken der Antike das Schöne auf, um es auf die Gegenstände der christlichen Religionswelt überzutragen, während Albani von diesen ausgehend, ohne auf die Bedingung objectiver Klarheit und formaler Ästhetik überall zu achten, leicht sich in das Sentimentale verlor, und absichtlich nur auf das Zarte und Liebliche beschränkt, der Gefahr des Manierirten nicht ent- kam. Das immer grössere Ansehen, welches die Schule der Carracci gewann, bestimmte Guido, zu derselben überzugehen; auch dahin folgte ihm Albani bald nach. Von jetzt an suchten beide Jünglinge sich in öffentlichen Arbeiten zu übertreffen, und es ge- lang wirklich dem Albani sich durch seine Auferstehung Christi im Bethhause des heil. Columbanus, aber vorzüglich durch seine trefflich ausgeführte Geburt der Maria in St. Maria del Piombo so- mit seinen Gegner zu übertreffen, und nach Passeri ist, nebst fleis- siger Ausführung, hier nicht allein die Zeichnung richtiger, son- dern auch das Colorit naturgetreuer. Während sich auch durch andere schöne Werke sein Ruhm verbreitete, ward Annib. Carracci nach Rom berufen, um die farnesische Gallerie zu malen, Ange- feuert von dem Verlangen, Rom zu sehen, und in Annibale’s Nahe zu seyn, beredete Albani seinen Freund, mit dahin zu reisen und beide langten um 1612 daselbst an. Der Vorzug, welchen Guido hier anfangs genoss, erbitterte Albani so sehr, dass sie sich auf immer trennten. So artete jetzt der Wetteifer in Eifersucht aus, doch nicht in Niederträchtigkeit; es verkleinerte keiner den an- dern, sondern beurtheilten sich auch als Feinde immer mit gros- ser Achtung. Orlandi läugnet zwar die Nebenbuhlerschaft Guido’s, indem er ihn einen geschwornen Freund unsers Künstlers nennt, und behauptet, er habe die Anmuth der Kunst mit ihm genossen, was doch nur von ihren früheren Werken glaublich ist,

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Obgleich es im Charakter Albani’s lag, heitere Gegenstände dar- zustellen, so verfertigte er doch mehr als 50 Altargemälde mit le- bensgrossen Figuren; aber da, wo er dem Schwunge seiner Phan- tasie folgen konnte, erscheint er ganz als Dichter. Bald erblickt man die Venus mit Liebesgöttern, bald die Grazien oder Galathea oder die Diana mit ihrem Gefolge; überall ist Anmuth, Zartheit und warmes Gefühl. Sein Talent für die Landschaftsmalerei ist eigenthümlich; er sah stets den Himmel in Glanz, die Bäume in ihrem grünenden Schmuck, die Bäche in Ruhe und die Fluren in Pracht. Seine Gattin zweiter Ehe und seine Kinder dienten ihm als Modell bei seinen Werken, daher die Gleichförmigkeit in den Gesichtszügen seiner Figuren. Bambocciaden malte er nie. Mit heiligen Gegenständen beschäftigte er sich weniger als mit mytho- logischen, aber geschah es, so änderte er auch hier seinen Ge- schmack nicht; alles liess er durch anmuthige Engelchen vollzie- hen. Ein häufig wiederkehrender Gedanke ist Jesus als Kind, mit aufwärts gekehrtem Blick Engel schauend, die Sinnbilder seines künftigen Leidens in Händen tragen.

Seine Erfindungen sieht und sieht man häufig in Sammlungen im- mer wieder; denn er wiederholte sie selbst, oder liess sie von sei- nen Schülern nachmalen und übermalte sie.

Vorzüglichen Ruf erwarb sich Albani durch seine Darstellung der vier Elemente. Er hat jedem der vier Gemälde eine runde

Form gegeben, weil er der Physik seiner Zeit gemäss glaubte, dass die Elemente im Ganzen des Universums in concentrischer Ord- nung über einander gestellt wären. Sie sind gestochen von Beau- det, Larmessin, Beauvais und Simoneau, auch in dem von Robil- lard heraus gegebenen Werke,

Das erste Gemälde stellt die Venus vor, wie sie in einem schö- nen Wagen sitzt, und von Tauben durch die Luft gezogen wird. Die Göttin hält eine grosse brennende Fackel in der Hand, an der mehrere Liebesgötter ihre anzünden. So durchsegeln sie die Luft und bringen das Feuer auf die Erde und bis in Vulcans Werk- stätte, dessen liebenswürdige Schmiedesellen sie werden, statt der hässlichen Cyclopen. !

Im zweiten Gemälde kommt Juno, die Göttin der Luft, beim Acolus an; Pfauen sind vor den Wagen gespannt, und 14 Nym- phen stehen in Gruppen um die Göttin her und stellen die vor- nehmsten Lufterscheinungen vor. !

Das Wasser ist auf dem dritten Gemälde durch die Vereinigung der Quellen, Flüsse und Ströme dargestellt, welche, bewunderungs- würdig gruppiert, ihre Gewässer in grosser Fülle ausströmen; sie nehmen ihren Weg nach dem Weltmeere, auf dem Galathea dahin- wogt, von Nymphen umringt, die von Tritonen auf dem Rücken getragen werden. !

Das vierte Gemälde stellt die Erde dar und lässt alle drei bis- herigen an Reichthum der Erfindung hinter sich. Man erblickt die drei Jahreszeiten (nach dem Beispiele der alten Griechen und Ra- fael’s fehlt der Winter) in einer Gruppe auf dem von Löwen ge- zogenen Wagen der Cybele. Jede der drei Göttinnen blickt nach Liebesgöttern hin, die sich mit Arbeiten beschäftigen, denen sie vorstehen. Sie flechten Kränze, pflügen, gießen, dreschen in der Scheune, treten Weintrauben aus etc. Der ganze Reichthum der Natur ist durch die Kunst vorgestellt. !

Diese vier Gemälde hat Albani zu wiederholten Malen ‚ gemalt ‚ für den Prinzen Borghese, den Herzog von Mantua, den Grafen von Caruga und mit vorzüglichem Glücke für den Cardinal von

Albani Francesco.

Savoyen, in der k. Gallerie zu Turin, wo sich noch andere schöne Bilder von Albani befinden.

Millin (voyage en Savoie etc. Paris 1816. I. 170') leitet den Bei- namen als Maler der Liebesgötter von den Gemälden der vier Ele- mente ab. Er scheint hier der mannigfaltigen Bilder nicht zu ach- ten, in denen dieser Künstler die Spiele und Tänze der Amorinen mit so unnachahmlicher Kunst dargestellt hat, und wovon sich eines der schönsten in der Dresdner Gallerie befindet.

Rom besitzt von Albani eines seiner weitläufigsten Werke in den Frescogemälden der Gallerie des ehemaligen Palastes Verospi, jetzt Torlonia. Sie stellen Apollo vom Thierkreise umgeben und von den vier Jahreszeiten begleitet etc. vor. In der Kirche della Pace sind auch die Frescos der Tribune von Albani’s Hand. In der

Kirche des heil. Sebastian derselben Stadt malte er die Marter die- ses Heiligen und in St. Barthelemy di Porta eine Geburt Christi und eine Darstellung aus dem Leben des heil. Joseph.

In Bologna sind von seiner Kunst mehrere Bilder in Kirchen und Sammlungen ; Herrliches bewahrt von ihm auch die florentini- sche Gallerie, namentlich das wunderschön gemalte Bildnis des Künstlers. Berühmt ist der Raub der Proserpina in der Mailänder Gallerie, ehemals in der Gallerie Zampieri zu Florenz, gest. von Rosaspina. Auch in andern Städten finden sich Schöpfungen von Albanis zartem Pinsel.

In Frankreich waren von früher Zeit her schon 25 Bilder von unserm Künstler in der k. Gallerie: darunter Eva, die dem Adam den Apfel reicht, und die Liebesgeschichte der Venus und des Ado- nis, nach Lepicie wahre Kunstjuwelen, gest. von Beaudet. Beson- ders ist Salmacis und Hermaphrodit und Apollo und Daphne ein Muster der Eleganz und der Zierlichkeit.

In der Sammlung des Herzogs von Orleans, die nach England kam, befanden sich 9 kleine auf Kupfer gemalte Bilder von Albani,

Dresden hat 11 Bilder von ihm, darunter den meisterhaften Amo- rinentanz, zwei Galatheen, die Schöpfung Adams etc.

Die königl. bayerischen Sammlungen besitzen: eine Geburt Chri- sti, ganz klein, St. Ursula, Aktäon überrascht Diana, und Venus und Adonis, aus der Düsseldorfer Gallerie. In der herzoglich Leuch- tenbergischen Gallerie ist eine herrliche Entführung der Europa in ziemlicher Grösse,

Die k. k. Gallerie zu Wien besitzt nichts von Albani. Die Lich- tensteinische Sammlung eine liegende Venus, Hermaphrodit von Sal- macis überwältigt, und eine Galathea. Eine ähnliche Vorstellung hat auch die Thurn’sche Sammlung.

In Sanssouci sind ebenfalls einige schöne Bilder, namentlich Venus und Adonis und die Toilette der Venus, beide in Paris an- gekauft.

Die Eremitage zu St. Petersburg besitzt eine Verkündigung, ver- schieden von dem in Paris befindlichen Bilde; die Taufe Christi. über 8 Fuss hoch und 6 Fuss lang, ferner etliche kleine Bilder, darunter eine vortreffliche Copie der Madonna mit dem schlafenden Kinde und Johannes (Silentium) nach A. Carracci und Correggio’s Cingarella.

Albani bezeichnete seine Gemälde mit F.A.P. oder FR. A. Man kennt sehr viele Kupferstiche nach Gemälden dieses Künstlers, von ihm selbst aber nur ein einziges mittelmäßiges, aber höchst selte- nes Blatt, welches Dido auf dem Scheiterhaufen vorstellt, bezeich- net: Albani inv. H. 10 Z. Br. 7 Z. 2 L. Es wurde in Auctionen, zu 3 Rthl. bezahlt.

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