Adam, Albrecht

Adam, Albrecht, berühmter Tier- und Schlachtenmaler, wurde zu Nördlingen 1786 geboren, und von seinem Vater, einem Conditor, zu gleichem Gewerbe bestimmt. Doch Adam bezeigte schon als Knabe große Neigung zur Kunst, welche theils durch die Sammlung von Kupferstichen, die sein Vater besass, theils durch einen sehr talentvollen Dilettanten, Namens Friedrich Wilhelm Doppelmayer, welcher gegenwärtig als Bürgermeister in Nördlingen lebt, genährt wurde. Er weihte daher jede Freistunde dem Zeichnen und Radieren und fand schon frühe eine vorherrschende Neigung zur Gestaltung der Thiere. Die Liebe zur Pferdemalerei weckte besonders der damals sehr schön besetzte fürstlich Wallerstein’sche Marstall, und die fürstliche Familie liess dem Jünglinge, der bis in sein sechzehntes Jahr ohne besondere Anleitung die Kunst übte, auch die erste Aufmunterung und Unterstützung angedeihen. Im Spätjahr 1805 kam Adam nach Nürnberg , wo er an dem Direktor

Albrecht, Adam.

der Zeichnungs-Akademie, Christoph Zwinger und an dessen treff- lichem Sohne, Gustav, teilnehmende Freunde fand, welche ihm - in Allem, was die Kunst befördern konnte, Beistand leisteten. In > dieser Stadt verliess er die Conditorei ganz und erwarb sich an- fangs seinen Unterhalt durch Formschneiden. Eine ergiebigere Quelle fand er bald in der Portraitmalerei, die jezt, neben seinem Studium nach der Natur und seinem Besuche der Akademie, seine Zeit in Anspruch nahm. Im Sommer des Jahres 1806 besuchte er

— seine Vaterstadt wieder und machte dort seine ersten Radierungen,

welche aus 6 Blättern Jagden und andern kleinen Stücken bestehen. Im November desselben Jahres ging er nach Augsburg, beschäftigte sich auch dort mit Portraitmalerei und richtete seine Aufmerksam- keit besonders auf militärische Gegenstände. Im folgenden Jahre machte er mit seinem Freunde, L. Augendas, seine erste Reise nach

: München, wo ihn die Sammlung von Kunstschätzen so sehr be-

ebeeisterte, dass er sich sogleich entschloss, den künftigen Wohnsitz ort aufzuschlagen. Er fand daselbst an dem Flügel-Adjutanten Grafen von Frohberg-Montjois und an dem königl. Oberststallmei- ster Freiherrn von Kessling Freunde und Gönner, welche zu sei- nem Fortkommen wesentlich beitrugen. Ersterer nährte besonders seine Neigung zur Schlachtenmalerei, und im Jahre 1809 begleitete der Hunnäer diesen seinen Gönner auf den Feldzügen nach Österreich, wo er an dessen Seite den vorzüglichsten Schlachten bei- wohnte. Bereichert mit einem Portefeuille von interessanten Stu- dien kam er im Mai desselben Jahres nach Wien, und fand bei den damals dort anwesenden französischen Offizieren grosse Auf- munterung und viele Beschäftigung. Er malte daselbst viele Por- traite zu Pferde und kleine Episoden aus jenem Kriege, welche ihm den Vortheil verschafften, mit vielen ausgezeichneten Männern je- ner ewig denkwürdigen Zeit bekannt zu werden.

Die dort verfertigten Werke zogen auch die Aufmerksamkeit des Vicekönigs von Italien auf sich, und der kunstsinnige Fürst erwies dem Künstler die Ehre, ihn in Begleitung des Obersten Bataille in seinem Atelier zu besuchen. Zugleich machte er ihm den Antrag, in seine Dienste zu treten, Adam folgte nun seinem Fürsten nach Mailand, wo ihm glückliche Tage blühten. Er begleitete densel- ben auf allen seinen Reisen und im Felde. Im J. 1810 folgte er ihm durch Oberitalien bis nach Ancona, wo der Künstler die Er- kundigung erhielt, nach Rom zu reisen. Allein ein heftiges Fieber machte seinen Gesundheitszustand sehr bedenklich, und versetzte ihn in die Nothwendigkeit, wieder nach Mailand zurückzukehren. Auch hier konnte er seine verlorene Gesundheit nicht wieder erlan- gen, die ihm nur dann erst wieder winkte, als er auf heimatlicher Boden einer veränderten Luft genoss. Im März des Jahres 1811 kehrte er nach Italien zurück, fand dort die gewohnte freundliche Aufnahme, und erhielt den Auftrag, für die Fürstin 42 Aquarellzeichnungen aus dem Kriege 1800 zu verfertigen. Zu- gleich begann er sein erstes grosses Schlachtgemälde aus demsel- ben Feldzuge, die Schlacht bei Leoben in Kärnten. Einen gros- sen Theil dieser Arbeit verfertigte er auf dem Landhause eines Freundes am Comer-See, da die Luft in Mailand immer nachtheilig auf seine Gesundheit wirkte. Im Frühjahre 1812 war dieses grosse Bild vollendet. In demselben Jahre vermählte er sich auch, musste aber bald von der Seite der jungen Gattin, um seinem Fürsten nach Russland zu folgen. Er begleitete ihn auf allen beschwerli- chen Märschen und in allen Schlachten bis nach Moskau, wo er vierzehn Tage das fürchterliche Schauspiel der brennenden Stadt vor sich sah. Er ertrug alle Beschwerden dieses Krieges, der da-

Adam, Albrecht. 17

mals sich schr in die Länge zu ziehen schien, wesswegen Adam von dem Vicekönige einen sechsmonatlichen Urlaub erhielt. Der Zeitpunkt zur Rückreise war sehr bedenklich, der Weg von schwär- menden Kosaken beunruhiget, und unter großen Gefahren und Hindernissen legte der Künstler vom 9. Sept. bis zum 20. Dez. seine Reise von Moskau bis München zurück.

Im Jahre 1813 gelangte auch Prinz Eugen auf seinem Wege nach Italien in dieser Stadt an; denn die Armee musste zum Feldzuge gegen Österreich organisiert werden. Auch Adam ging wieder nach Italien und blieb dort bis zum Sommer des J. 1815. In dieser Zeit entstanden viele Cabinetsbilder, welche theils in Italien, theils in Österreich zerstreut sind. Bei seiner Rückkehr aus Italien in dem bezeichneten Jahre erhielt er vom Fürsten den Auftrag, eine Samm- lung von Zeichnungen aus diesem Feldzuge zu fertigen, welche bis zum Tode des Herzogs fortgesetzt wurden und in 83 Blättern ein vollständiges Tagebuch bilden. Diese Blätter sind in gr. 4. auf Papier in Öl gemalt, und werden auf der Bibliothek des herzog- lichen Palastes zu München aufbewahrt. Später malte er noch mehrere große Schlachtgemälde, von denen die Schlachten von Raab, von Mosaisk, von Maloujaroslawez und von St. Michel gegenwär- tig in der herzoglichen Residenz zu Eichstätt sich befinden. Meh- rere Cabinetsbilder, welche er später für den Fürsten malte, sind jetzt in München.

Nach seiner Rückkehr aus Italien richtete auch der höchstselige König Maximilian von Bayern die Aufmerksamkeit auf diesen Kunst- ler, und liess ihm stets seinen Schutz und seine Gnade angedeihen. Eine bedeutende Anzahl der besten Werke aus den Jahren von 1817 bis 1824 befinden sich gegenwärtig in der hinterlassenen Samm- lung des höchstseligen Königs zu München. Andere Bilder von Adam sind im Schlusse des Fürsten Wrede zu Ellingen, an dem derselbe stets einen Gönner fand.

Um diese Zeit beschäftigte Adam auch ein anderes großes Unter- nehmen. Der Künstler machte nämlich in Russland mehr als 300 interessante Zeichnungen von den merkwürdigsten Ereignissen, und gab die vorzüglichsten in 100 lithographierten Blättern unter dem Ti- tel: Voyage pittoresque militaire heraus.

Nach dem Tode des Herzogs von Leuchtenberg und des Königs Maximilian trat für denselben eine neue Periode ein. Sein militärisch-malerisches Werk von dem russischen Feldzuge, welches einen grossen Theil seiner Zeit in Anspruch nahm, richtete die Auf- merksamkeit des Auslandes mehr auf ihn. Im J. 1829 kam er nach Würtemberg und hatte sich der besondern Gnade des Königs zu erfreuen. Er malte denselben zu Pferde und viele andere Werke, worunter die Bildnisse der vorzüglichsten arabischen Pferde eine besondere Sammlung ausmachen, die der König besitzt. Nach ei- nem einjährigen Aufenthalte verliess er, reich beschenkt von dem Könige, Stuttgart wieder, und hielt sich seit dieser Zeit, mit Aus- nahme einiger Reisen nach Norddeutschland, namentlich nach Mecklenburg und Holstein, wo er viele Bildnisse edler Pferde ver- fertigte, grösstentheils in München auf.

Die besten Werke der letzten Zeit, welche von Kennern als die vorzüglichsten dieses Künstlers überhaupt erkannt werden, befin- den sich gegenwärtig in der Sammlung des Freiherrn Salomon von Rothschild zu Paris. Ueberhaupt sind die meisten und vorzüglich- sten Bilder dieses Künstlers im Auslande verbreitet.

Ausserdem existiren auch viele lithographirte Blätter, theils von ihm selbst, theils von Andern nach seinen Werken gefertigt.

Sein neuestes Werk ist ein grosses Gemälde, welches er aus Auf-

trag des grossen Beförderers der Kunst, des Königs Ludwig von Bayern, verfertiget. Es stellt die Schlacht an der Moskowa dar, und reiht sich an den Cyklus der früher von W. Kobell und P. Hess gefertigten Schlachtgemälde. Bis zum Oktober des J. 1835 muss es dem allerhöchsten Befehle zufolge vollendet sein.

Es dürfte wohl wenige Künstler geben, die sich dem ausschließenden Studium der Pferde, besonders nach ihren verschiedenen Racen, mit solchem Fleisse gewidmet haben, als Adam. Er hat daher auch als Pferdemaler einen europäischen Ruf. Er weiss die Eigenthümlichkeiten und Formen dieser Thiergattung mit Sicher- heit zu geben. Die Correktheit der Zeichnung, die wohlberechnete Haltung des Ganzen, die Harmonie und Klarheit der Farben, die breite Behandlung bis zu den Beiwerken herab, geben ein voll- endetes Bild. Grösstentheils sind seine gelungensten Arbeiten auch die schwierigsten, worin er sich am meisten gefällt. Das Pferd in seiner gereizten Natur, in seiner angestrengten Kraftäusserung im Schlachtengewühle, sich mühend vor dem Pfluge, an belasteten Wagen darzustellen, gab ihm manchen Stoff, seine Kräfte nicht nur in Schilderungen der mannigfaltigsten und schwierigsten Stel- lungen dieses Thieres zu versuchen, sondern auch das dabei nach aussen strebende Leben, den in alle Formen sich ergiessenden Cha- rakter zu entwickeln, und somit dem Werk das Interesse, d. h. Wahrheit und Bedeutung zu geben. Voll Feuer, Wahrheit und Leben sind auch seine Schlachtgemälde.

Adam bediente sich zur Bezeichnung seiner Bilder eines Mono- gramms oder der Initialen A. A.

Unter den zehn Kindern dieses Künstlers befinden sich drei Söhne: Beno, Franz und Eugen, welche sich der Kunst widmen und unter Leitung des Vaters in dessen Atelier arbeiten. Sie be- rechtigen zu den schönsten Hoffnungen. Einer derselben, Franz, ist durch mehrere Lithographien nach seines Vaters Bildern be- kannt.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_043rAAAAMAAJ