Abbate (Abati), Niccolo dell’

Abbate (Abati), Niccolo dell’, Messer Niccolo genannt, wurde zu Modena 1512 geboren und starb in Frankreich um 1571.

Aus der Familie der Abbate sind mehrere Maler hervorgegangen, die stets eine Zierde der älteren Modeneser Schule bleiben werden. Niccolo und Ercole, sein Enkel, zeichnen sich unter den übrigen als die Kunstreichsten aus. Den ersteren wollen einige für Cor- reggio’s Schüler halten, was nicht durchaus abzuläugnen seyn möchte, auch nur rücksichtlich mancher seiner Verkürzungen und der großen Rundung der Gegenstände. Vasari jedoch sagt von solcher Meisterschaft kein Wort, sondern erwähnt bloß das Mar- tyrium des Apostelfürsten bei den schwarzen Mönchen und be- merkt, die eine Henkerfigur sei aus einem Gemälde Correggio’s, in St. Giovanni zu Parma entlehnt. Lanzi II. (S. 276 deutscher Ausg.) glaubt, aus Niccolo’s Wandbildern zu Modena , welche unter seine ersten Arbeiten gezählt werden, spreche sich seine Begeisterung für die römische Schule deutlich aus, und dasselbe erhebe auch aus den zwölf Wandbildern der Aecneis, welche in Rocca di Candiano, einem Schlosse des Herzogs Ercole d’Este, ausgesägt, in den her- zoglichen Palast gebracht wurden, und von da endlich zur Aka- demie kamen. Dazu gehören noch drei kleinere, grau in Grau femalt. Ihr Inhalt bezieht sich auf Begebenheiten des trojanischen Krieges, und sie gewähren, obschon großer Restauration bedür- fend, eine hinlängliche Einsicht in des Künstlers genialen Geist und seine praktische Gewandtheit. Niccolo komponirte schön und mit lebhafter Phantasie; seine Figuren sind von schlankem Wuchse, voll Ausdruck, besonders in den Köpfen. Seine Pferde sind lebendiges Leben; die Färbung verbindet Kraft mit Lebendigkeit und ist markig, breit, kühn und geistreich aufgetragen. Auch im Munizi- palpalast sieht man noch Gemälde von Niccolo. Im ersten Saale hat er 1540 gemeinschaftlich mit A. Fontana das Triumvirat des Augustus, Lepidus und Antonius, in Fresko dargestellt. Von seiner Hand ist auch über dem Kamin die Darstellung des Herkules, wie er den Löwen zerreisst und endlich die Schlussverhandlung des Krieges zwischen der Stadt Modena und den Bolognesern. Diese großen Gemälde hatten das Unglück, schon vor langer Zeit mit Öl auf- gefrischt zu werden, wodurch sie jetzt mit einer gelbbraunen Farbe überzogen sind, wodurch sie die Wirkung ihres schönen harmo- nischen Colorits gänzlich eingebüsst haben. Speth Kunst in Ita- lien I. 102 f.

In reifern Jahren liess sich Niccolo zu Bologna nieder und malte dort unter dem Säulengange der Leoni eine Geburt Chri- sti, welche Kenner für das vollendetste Wandgemälde in Bo- logna hielten. Dieses Bild war, nebst Niccolo’s übrigen Arbei- ten, die Bewunderung und das Muster der Carracci. Das von Fremden am meisten betrachtete Bild dieses Künstlers ist die Ge- sellschaft von Jungfrauen und Jünglingen, welche einem Saale des Institutes zur Zierde dient. Gestochen ist das Werk von B. Crivelli, in den Pitture di Pellegrino Tibaldi e di Niccolo dell’ Abbati, desc. ed. illust. da Zanotti. gr. fol. Venezia 1756.

Dieser Künstler verschmähte auch nicht andere nachzuahmen. Viele Maler können ein Sonett des Agost. Carracci auswendig, welcher in Niccolo allein Rafael’s Ebenmaass, Michelagnuolo’s Fruchtbar- keit, Tizian’s Wahrheit, Correggio’s Adel, Tibaldi’s Composition, Parmigianino’s Anmuth vereint, kurz, in ihm den besten aller gu- ten Künstler und aller Schulen fand. Muss man nun gleich hier

berücksichtigen, dass ein Dichter, und zwar ein für seine Schule leidenschaftlich eingenommener Dichter spricht, so würde er doch mehrere finden, die ihm beistimmten, wäre nur von Abbate mehr in Gallerien zu sehen. Da ist er aber höchst selten, theils weil er fast immer auf Kalk malte, theils weil er in seinem vier- zigsten Jahre nach Frankreich ging. Dahin berief ihn Primaticcio als Gehülfen bei seinen grossen Arbeiten für Karl IX. und nie sah er Italien wieder. Daher ist, nach Lanzi, das Mährchen entstan- den, er sei Primaticcio’s Schüler gewesen und habe von ihm den Zunamen Abbate bekommen, den er doch von seinem Geschlechte hatte. In Fontainebleau waren noch 1740 acht und dreißig (nicht 58) Bilder von Niccolo nach Primaticcio’s Zeichnung vorhanden, welche Ulysses Begebenheiten darstellten; das weitläufigste unter seinen vielen in Frankreich ausgeführten Werken. Die Composi- tion ist uns glücklicher Weise durch van Thuldens Stiche bekannt, der 1634 die Bilder zeichnete. Nach Thuldens Blättern gab Küssel kleine Copien heraus. Zu Grunde gingen auch die Bilder aus der Geschichte des Tarquinius Superbus im Palaste Tortanini zu Bo- logna und 12 Stücke aus Ariost’s Orlando. D. M. Fratte copirte die letzteren in Wasserfarben.

Die Gallerie in Dresden besitzt von Niccolo die grosse Seltenheit eines Oelgemäldes auf Holz, das schon Malvasia zu seinen vorzüglichsten Arbeiten zählte. Es stellt die Martyrer St. Peter’s und St. Paul’s vor, nebst der heiligen Jungfrau und

dem Kinde, das von einem Engel einen Palmzweig empfängt,

um damit die beiden Martyrer zu krönen. Gestochen ist es von J. Folkema, für das Galleriewerk von L. Zucchi und Kilian. Letz- terer hat es für seine Bibel copirt. B. Lens stach nach ihm eine heilige Familie in einer reichen Landschaft; P. Crenu ein Bildnis Franz T., wie der Winkersche Gantkatalog angibt, und St. de Laine einen Apollo mit den Musen auf dem Parnass. Gondolfi hat die Geburt Christi unter den Arkaden der Leoni zu Bologna geätzt; eine andere hat (nach Heinecke) J. M. Mitelli geätzt. Die Anbetung der Weisen aus dem Hause Soubise zu Paris hat J. A. le Pautre auf zwei Blättern radirt; Baron die Martyrer des heil. Stephan und St. Andreas, und der Graf Caylus Studien mehrerer Figuren. Eine Pallas, den Helm in der einen, den Wurfspieß in der anderen Hand haltend, soll von Abbate selbst geätzt seyn. Ga- gani stach nach ihm Gegenstände aus der Aeneide in Umrissen, un- ter dem Titel: L’Eneide di Virgilio, dipinta in Scandiano dal celebre pittore N. Abati, Modena 1821. gr. fol.

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